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AUS DER MEDIZIN FÜR DIE MEDIEN (15-2001)

Charité bietet neue Behandlung gutartiger Tumore der Gebärmutter Embolisation läßt Myome schrumpfen



Gutartige Tumore der Gebärmutter, sogenannte Myome, sind ein verbreitetes
Leiden, das in Europa etwa ein Drittel, in Afrika sogar etwa die Hälfte
aller Frauen befällt. Myome können je nach Größe und Lage entweder keinerlei
Symptome verursachen oder aber Schmerzen hervorrufen, Druck auf benachbarte
Organe ausüben oder zum Teil sehr heftige Blutungen auslösen und Ursache von
Unfruchtbarkeit sein.

Zur Behandlung stehen mehrere Verfahren zur Verfügung. Wenn kein
Kinderwunsch mehr besteht, die Patientin das Problem ein für alle mal los
werden will oder aber der Tumor sehr groß ist, so wird oftmals die
Gebärmutter chirurgisch entfernt. Möglich sind auch gebärmutter-erhaltende
Eingriffe, bei dem nur die Myome, (meistens sind es mehrere), herausoperiert
werden und Schwangerschaften nach dem Eingriff weiterhin möglich sind. Die
Entfernung gelingt jedoch oft nur unvollständig, so das in 15-30 Prozent der
Fälle die Myomknoten wieder wachsen. Wenn sich die Frau kurz vor dem
Klimakterium befindet, kann man durch Hormongabe den Beginn des
Klimakteriums beschleunigen, denn mit dem Nachlassen der Produktion
weiblicher Hormone (Östrogene) schrumpfen die Myome gewöhnlich und
verursachen dann keine krankhaften Symptome mehr. Die Hormongabe ist jedoch
nur eine Übergangslösung für eine Minderheit der betroffen Frauen und viele
vertragen die Hormontherapie nur sehr schlecht.

Als Alternative, die insbesondere für Frauen attraktiv ist, die sich nicht
operieren lassen wollen, kommt ein neues Verfahren in Betracht, die
sogenannte „Embolisation“. Sie ist jetzt erstmals in Deutschland von 
Dr.Thomas J. Kröncke am „Institut für Radiologie“ der Charité angewandt worden
zur Behandlung einer Patientin, die an starken Schmerzen und Blutungen litt,
die durch Myome verursacht waren. Das Verfahren wurde 1990 in Frankreich
entwickelt und wird seit 1995 dort und in anderen Ländern von Radiologen
angewendet, so in USA, England und Österreich. Erfahrungen mit der Methode
liegen bisher mit mehr als 10.500 Eingriffen vor.

Die Embolisation beruht auf der Tatsache, daß Myome in ihrem Wachstum von
der Blutzufuhr abhängig sind und zugrunde gehen, wenn man die Blut
zuführenden Gefäße blockiert. Bei der Gebärmutter zeigte sich, daß die Myome
alle aus einem größeren Blutgefäß, der Arteria uterina, ernährt werden.
Dichtet man die Äste der Art. uterina durch Einspritzen von Kunststoff
(Polyvinyl) Kügelchen ab, so werden die Myome nicht mehr ernährt, sie
schrumpfen innerhalb von Wochen bis Monaten und die Blutungen und Schmerzen
hören auf. Der zur Embolisation verwendete Kunststoff ist seit Jahren als
biologisch verträgliches Material in der Chirurgie und in der sogenannten
Interventions-Radiologie eingeführt. (Das gesunde Gewebe der Gebärmutter
wird nicht von der Blutversorgung ausgeschlossen, weil es noch von Ästen
eines anderen Blutgefäßes, der Arteria ovarica, die den Eierstock
durchblutet, versorgt wird). 

Da theoretisch auch Partikel „stromaufwärts“ in die Arteria ovarica, gespült werden können, besteht ein geringes Risiko der Unfruchtbarkeit nach dem Eingriff. Aus diesem Grunde wird von den Experten der Charité eine abgeschlossene Familenplanung der Frau vorausgesetzt. Ein Nachteil des Verfahrens ist, dass der Eingriff unter Röntgen-Durchleuchtung durchgeführt werden muss. Die Strahlenbelastung liegt hierbei jedoch in einem Bereich, der mit anderen Röntgenuntersuchungen vergleichbar ist. 


Technisch wird die Embolisation erreicht, indem unter örtlicher Betäubung
ein Katheter (ein dünner Schlauch) in ein Blutgefäß von der Leiste der
Patientin aus bis dorthin vorgeschoben wird, wo die Arteria uterina kleine
Äste zur Versorgung des Myoms abgibt (Graphiken). Über den Katheter werden
dann unter Röntgenkontrolle Polyvinylpartikel in die Arteria uterina
eingebracht, die sich in den feinen Ästen festsetzen und sie dauerhaft
blockieren „embolisieren„.

Die Patientin, die Dr. Kröncke am 24.Oktober 2000 an der Charité mit der
Embolisation behandelt hat, war 40 Jahre alt und litt unter sehr starken
Regelblutungen sowie begleitenden Schmerzen, die durch zwei große Myome
verursacht wurden. Eine Therapie mit Hormonen und zwei letztlich erfolglose
Versuche der chirurgischen Entfernung ihrer Myome hatte sie bereits hinter
sich. Der ständige Blutverlust hatte sie trotz Gabe von stützenden
Eisenpräparaten blutarm (Hämoglobin von 8-10.0 g/dl) und wenig belastbar
werden lassen. Zuletzt musste sie Ihre beruflichen Termine so planen, dass sie
nicht mit den Tagen der Regelblutung zusammenfielen.

Im Zusammenhang mit der Embolisation blieb die Patientin insgesamt drei Tage
im Krankenhaus. Das Verfahren dauerte etwa zwei Stunden und wurde unter
örtlicher Betäubung vorgenommen. Für die Einführung des Katheters in die
Blutbahn war nur ein kleiner Schnitt von etwa einem Zentimeter Länge
notwendig. Da jedoch nach der Embolisation wegen des plötzlichen Blutstops
Schmerzen auftreten können, erhielt die Patientin Medikamente zur
Schmerzlinderung, die sie sich selbst über eine kleine Pumpe auf Knopfdruck
nach Bedarf verabreichen konnte.

Jetzt, ein halbes Jahr später, kann der Erfolg endgültig beurteilt werden.
Der Patientin geht es gut. Sie hat keine Schmerzen mehr und schon nach zwei
Monaten waren die Myome deutlich geschrumpft. Die Blutarmut ist behoben.
Jetzt sind die Myome nur noch halb so groß, wie sich (durch eine
Magnetresonanztomographie, MRT) in der Charité zeigen ließ. Die
Regelblutungen haben sich normalisiert und die Patientin fühlt sich wieder
voll belastbar.


Silvia Schattenfroh


Dekanat Pressereferat-Forschung
Dr. med. Silvia Schattenfroh
Augustenburger Platz 1
FAX: (030) 450-570-940
Augustenburger Platz 1
13 353 Berlin
e-mail: silvia.schattenfroh@charite.de

     

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