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Zusammenhang
zwischen Obst- und Gemüseverzehr und Krebserkrankungen
des oberen Verdauungstraktes - Neue Ergebnisse der EPIC-Studie
Wer täglich Obst und Gemüse isst, hat ein geringeres Erkrankungsrisiko
für Mund-, Rachen-, Kehlkopf- oder Speiseröhrenkrebs. Dabei
profitieren eher Männer (12%) als Frauen (4%) von einem solchen
Ernährungsverhalten, da die Risikoabsenkung besonders bei
Personen mit geringem Konsum (<300 Gramm/Tag) zum Tragen
kommt.
Dies ist ein Ergebnis der europaweiten EPIC*-Studie,
das Professor Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke und Co-Autoren in der Septemberausgabe der
Fachzeitschrift "Cancer Causes and Control" publizierte.
(Die Septemberausgabe von Cancer and Control 2006, 17(7):957-69,
ist bereits über das Internet erhältlich.)
In Deutschland sind zwei Studienzentren an EPIC beteiligt,
das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
und das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg.
Die EPIC-Wissenschaftler analysierten Daten von 130.633 Männern
und 215.271 Frauen, die im Rahmen der EPIC-Studie von 1992
bis 1998 Auskunft über ihre
Ernährungsgewohnheiten und Lebensumstände gegeben hatten.
Bei der Auswertung berücksichtigten die Forscher alle wichtigen
bekannten Faktoren, die das
Erkrankungsrisiko für diese Krebsformen beeinflussen, wie
beispielsweise den Tabak- oder Alkoholkonsum.
Innerhalb des Nachbeobachtungszeitraums von etwa 5,8 Jahren
erkrankten 255 Studienteilnehmer und 97 Studienteilnehmerinnen
erstmals an Mund-, Rachen-,
Kehlkopf- oder Speiseröhrenkrebs.
Nach den Daten der EPIC-Studie sinkt das Risiko für diese
Krebsarten pro 80 Gramm täglich verzehrtem
Obst und Gemüse durchschnittlich um 9 Prozent. Bei
Männern verringerte sich das Krebsrisiko um 12
Prozent, während es
sich bei Frauen um 4 Prozent
verminderte. Dabei besteht eine Risikobeziehung anscheinend
nur bis zu einem "Schwellenwert"
von etwa 300 Gramm pro Tag. Das
heißt, wer bereits mehr als 300 Gramm verzehrt, kann durch
eine Verzehrsmengenerhöhung sein Erkrankungsrisiko vermutlich
nicht noch weiter senken.
"Die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Auftreten
der Erkrankung sind bemerkenswert. Obwohl die Zahl der weiblichen
Studienteilnehmer deutlich größer war, gab es bei den männlichen
Teilnehmern fast zweimal soviel
Krebsneuerkrankungen. Ebenso war eine erhöhte Obst- und Gemüseaufnahme
bei Männern mit einer stärkeren Risikosenkung verbunden",
fasst Heiner Boeing, Leiter der Potsdamer EPIC-Studie die
Resultate zusammen. "Ersteres
lässt sich vermutlich auf den generell höheren Alkohol- und
Zigarettenkonsum der männlichen Studienteilnehmer zurückführen.
Letzteres ließe sich durch zwei unserer Beobachtungen erklären.
Erstens ist die Obst- und
Gemüseaufnahme gerade bei Männern in Nord-, West- und Mitteleuropa
gering und liegt unter der Aufnahme von Frauen und zweitens
profitieren von einer Verzehrserhöhung hauptsächlich Personen,
die sonst nur wenig Obst und Gemüse essen.
Man sollte daher besonders Menschen mit einem sehr niedrigen
Obst- und Gemüsekonsum dazu ermutigen, ihre tägliche Verzehrsmenge
zu erhöhen."
Hintergrundinformation:
EPIC* (European Prospective Investigation into Cancer and
Nutrition)-Studie: eine prospektive, 1992 begonnene Studie,
die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krebs und anderen
chronischen Erkrankungen aufdeckt. 23
administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit 519.000
Studienteilnehmern sind an der Studie beteiligt. Die EPIC-Studie
wird von Dr. Elio Riboli (International Agency on Research
of Cancer, Lyon, Frankreich) koordiniert. Die Potsdamer EPIC-Studie,
an der 27.548
Frauen und Männer im Alter zwischen 35 und 65 Jahren teilnehmen,
leitet Professor Dr. Heiner Boeing.
Zahlen:
Jährlich erkranken weltweit etwa 390.000 Menschen neu and
Mund- und Rachenkrebs. Hinzu kommen 160.000 neue Fälle an
Kehlkopfkrebs und 412.000 Neuerkrankungen an Speiseröhrenkrebs.
Dies entspricht insgesamt 11 Prozent
aller Krebsneuerkrankungen. Alkohol- und Zigarettenkonsum
sind die wesentlichen Risikofaktoren für Plattenepithelkrebs-Erkrankungen
(Squamous Cell Cancer) des oberen Verdauungstraktes.
Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
(DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Zur Leibniz-Gemeinschaft
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und verbinden Grundlagenforschung mit Anwendungsnähe. Sie
sind von überregionaler Bedeutung und werden von Bund und
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gefördert. Näheres unter <www.leibniz-gemeinschaft.de>.
Kontakt:
Professor Dr. Heiner Boeing
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Abteilung Epidemiologie
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
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E-Mail: boeing@dife.de
Dr. Gisela Olias
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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